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Freitag, 20. September 2019

Entdeckerin: LISSABON Reisetagebuch - eine neue Lieblingsstadt?!



Die erste Septemberwoche verbrachten Sandro und ich von Mittwoch bis Sonntag in einer Stadt, die wir beide unheimlich gerne sehen wollten, schon länger! Es sollte unser letzter Trip für dieses Jahr sein und der krönende Abschluss dieses Reisejahres das uns so viel gegeben hat und für das wir dankbarer nicht sein könnten! 

Wie das immer so ist, braucht es seine Zeit sich mit solchen Trips außeinander zu setzen und im Laufe des Jahres konnte ich nach jeder Reise kaum abwarten euch davon zu berichten - mit Lissabon war und ist das irgendwie anders. Vielleicht, weil meine Erwartungen so hoch waren oder, weil ich jetzt realisiere, dass das tatsächlich das letzte Mal für dieses Jahr ist, dass ich so einen Reisebeitrag tippe. Im nächsten Jahr liegen die Prioritäten bei uns beiden anders und das wird so sicher nicht mehr passieren...
Und dennoch, Lissabon war auf jeden Fall eine Reise wert und ich will euch alles darüber erzählen - vor allem was wir anders gemacht haben und auch noch anders gemacht hätten, here we go!

 

Wir sind von Frankfurt/Main geflogen, morgens um 6 Uhr. Und der Nachteil war, dass wir gegen 2:30 Uhr los sind, damit alles pünktlich und stressfrei läuft. Und mal ehrlich? Ich hasse es mitten in der Nacht aufzustehen und dann den ganzen Tag vor mir zu haben. Vielleicht war das der Grund weswegen der Tag lief, wie er lief, aber von vorne...

Auf nach LISBOA! Lissabon, das erste Mal in Portugal! Man, ich war so super aufgeregt, auf die Stadt habe ich mich tierisch gefreut und vorher so einiges geplant, damit ich nichts verpasse. Nach 3 Stunden Flug am Flughafen angekommen haben wir uns zur Metro Station begeben, das läuft hier ähnlich wie in London Heathrow und ist der einfachste Weg direkt ins Zentrum zu fahren. Die Tickets hatten wir recht schnell gezogen - man kauft eine "Viva Viagem" Karte für 0,50€ und lädt diese mit Guthaben auf. Eine Fahrt kostet zwischen 1,40€ und 1,90€. Das war easy und leicht zu handhaben! 


Angekommen gegen halb 12 mittags wollten wir im "PH Downtown Suites" einchecken, das ist ein Bed&Breakfast in Baixa, also direkt im Geschehen. Leider konnten wir die Zimmer noch nicht beziehen und sind mit langen Hosen und Rucksäcken durch die Stadt getigert. Es waren schon über 30 Grad im Schatten und ich hätte mich einfach gern mal hingesetzt und umgezogen. So mussten wir das beste aus der Situation machen und haben uns fußläufig schon mal in Alfama umgesehen - eines der bekanntesten Viertel Lissabons, direkt bei uns um die Ecke!



Irgendwie war das nicht beste Start, dank Schlafmangel und Stress und nicht leicht für uns beide in dieser Großstadt ein bisschen Ruhe zu finden. Ich glaube das war von Anfang an das Problem mit uns und Lissabon - wir waren zu gestresst, kamen aus der Provinz in Süditalien rein ins Getümmel. Und Lissabon war zu geschäftig, zu voll und zu warm. In der Hauptsaison und vor allem für einen Kurztrip in der Hitze würde ich nicht nochmal fliegen. Ich bin sensibel, schnell überfordert und für mich wäre es sicher in der Nebensaison schlauer gewesen...

 

Ich hab mir jedenfalls die ganze Zeit gesagt, dass ich mich doch so gefreut hatte und ich das ganze doch genießen will und das hat dann auch erstmal ganz gut funktioniert, auch, wenn ich einfach mal hätte schlafen sollen, dann wär´s vielleicht gegangen. Aber wir wollten den Tag ja noch nutzen und so sind wir nach einem kurzen Zimmer beziehen und Klamotten wechseln dann los in die Stadt. Stopp Nummer 1: Mein Vintage Traumladen "A Outra Face da Lua", mein Favorit (Blogpost zu allen lohnenswerten Adressen folgt!!).  Dort habe ich mich ein wenig umgesehen und dann sind wir mit einer vollen Tüte weiter zum ersten Touri Spot...

 


Und zwar dem "Elevador de Santa Justa", dem Aufzug, der Ober- und Unterstadt verbindet. Die Hügel, die Lissabon nämlich hat kann ja kein Mensch zu Fuß meistern - grenzt an Bergsteigen ;-) Weil das Anstehen bei über 30 Grad so Spaß macht - nicht - haben wir das nicht getan, sondern sind einem Tipp gefolgt und ein Stück oberhalb des Aufzuges von oben hinauf auf die Aussichtsplattform gelaufen. Das war ein Wahnsinnsausblick auf die Dächer der Stadt und den "Tejo", den großen Fluss. 

So sind wir dann ein wenig herumgeschlendert, haben gemerkt, dass die vielen Menschenmengen uns heute nur noch überfordern und uns dazu entschieden zum Fluss zu gehen, um den Sonnenuntergang anzuschauen.



Die Idee haben in Lissabon abends ziemlich viele Menschen, hier ist immer was los! Der Fluss, der kleine Stadtstrand, die Wellen, Schiffe und goldenen Sonnenstrahlen waren mein Highlight des Tages! Ein ruhigerer und gelassener Abschluss des Tages, der meine Tränen gelöst hat und dank dem ich meinen Stress endlich ablegen und vergessen konnte. 

Kunst ist übrigens ein riesen Thema in Lissabon - liebs! - und sogar hier am Tejo standen überall Straßenkünstler und Menschen, die Bilder oder selbstgemachten Schmuck verkauften. Und leider auch einige zwielichtige Drogendealer... 



Nach diesen tollen Minuten am Wasser fehlte uns eigentlich nur noch eins: Pasteis de Nata! Das sind die typisch portugiesischen Puddingtörtchen, für die Lissabon bekannt ist. Original kommen sie aus dem Stadtteil Bélem, aus der Bäckerei "Pasteis de Bélem". Empfohlen wurde uns jedoch überall ein anderer Spot, für den wir uns entschieden, weil er direkt auf dem Weg lag: Die "Manteigaria" am Time Out Market. Hier haben wir auch tatsächlich die besten Törtchen des Lissabon-Trips gegessen, ich kann das Gerücht also nur bestätigen, sie sind ein absoluter Traum und ich bin (sehr!) süchtig...

Ausklingen lassen haben wir den Abend mit einem Essen in einer der Nebenstraßen. Hier war deutlich weniger los, die Gerichte preiswerter und hauptsächlich hatte ich einfach Hunger und wollte keine Experimente mehr wagen. Kulinarisch vermisste ich in Lissabon leider so einen richtigen Hammer - es gibt den Bacalhau, einen typischen Fisch, die oben genannten Törtchen und Sardinen aus der Dose. Viel mehr Spezialitäten haben wir leider nicht gefunden und weil wir gerne einheimische Küche testen, sind wir da bis auf den letzten Abend ein wenig ratlos gewesen...



Am zweiten Tag hab ich endlich gut geschlafen, mein neues Vintage Kleid übergezogen und mich so langsam an die Temperaturen gewöhnt. Geplant hatten wir ein Highlight: LX Factory, von dem so ziemlich jeder schwärmte, der schon dort war. Es handelt sich um ein altes Fabrikgelände in Bélem, das zu einem Hipster-Ort geworden ist! In den alten Gebäuden befinden sich Cafés, Rooftop Bars, Co-Working Spaces und die coolsten Läden. Wir waren gegen 10 Uhr vor Ort, die Läden öffnen ab 11 Uhr und so war es noch schön ruhig und wir konnten uns ein Bild vom Gelände machen. Mein Herz schlug für die Street Art, die man hier überall findet - sogar die Toilettenräume sind verziert, teils mit Genitalien aus Ton, die überall an den Wänden hängen. Hat mich so sehr an Shoreditch in meinem geliebten London erinnert und das mochte ich doch sehr! 

Im Slow Café haben wir Kaffee getrunken und gewartet bis der tolle große Buchladen öffnet, der Instagram Spot Nummer eins zu sein scheint. Die Kulisse ist wahnsinnig eindrucksvoll, denn wie in einer Art Bibliothek ziehen sich die Regale bis unters Dach. Aus dem zweiten Stock schaut man auf all die Bücher hinunter oder lernt mehr über Buchdruck. Das war wirklich toll, aber leider haben mich all die fotowütigen Instagram Models ein wenig gestört, die jeden Winkel des Shops mit dem Smartphone filmen mussten - vielleicht lag es auch einfach an meinem Grund-Stress, dass ich da so heftig reagierte...



Als nächstes hatten wir uns vorgenommen die "Bridge Experience" an der Ponte 25 de Abril zu machen, der Brücke, die über den Tejo führt und der Golden Gate Bridge zum verwechseln ähnlich sieht. Nachdem wir also LX Factory und seine Shops abgecheckt hatten, sind wir ein Stück um das Gelände herum gelaufen und dort befindet sich ein Gebäude, in dem ihr Karten für die Brücke kaufen könnt. Wir dachten, dass man hier sicher auch super lange ansteht, aber tatsächlich waren außer uns nur 3 weitere Menschen dort. Das hat uns doch etwas gewundert, denn man fährt mit einem Aufzug auf die Ebene der Brücke und kann durch Glasscheiben aus einem abgetrennten Bereich alles genau anschauen. Nichts für Höhenangst, aber wunderschön! Einen besseren Blick über den Fluss hatten wir die ganze Woche nicht! Mit Abstand die beste Touristenattraktion, weil sie scheinbar nicht so bekannt und ein wenig versteckt ist. Würde ich jedem empfehlen!



Gleich um die Ecke befand sich der "Village Underground", mein persönliches Highlight des Viertels. Ein freizugängliches Gelände mit übereinander gestapelten Containerin, die alle bunt angemalt waren und als Co-Working Spaces dienen. Oben drauf ein alter Schulbus, in dem man sitzen und essen kann. Man kann hier Gerichte bestellen oder einfach sitzen und sich ausruhen - alles kann, nichts muss! Liebs!

 

Nach der Pause ging es mit der Straßenbahn weiter ins Herz von Bélem, zum Torre de Bélem und der Kathedrale. Fand ich hübsch, mir war aber auch hier zu viel los und wir haben uns alles kurz angeschaut und uns dann mit einem Frozen Joghurt erstmal im Park ins Gras gesetzt, durchgeatmet. Die "Pasteis de Bélem" haben wir uns gespart - die Schlange stand auch hier bis zur Straße raus und sicher hätten wir mehr als eine halbe Stunde in der Sonne anstehen müssen. Und weil warten unser beider Ding nicht ist, haben wir unsere Lebenszeit mit besseren Dingen verbracht - der Fahrt zurück zum Stadtkern.



Abends hatten wir dann ziemlichen Spaß in Bairro Alto, dem Altstadtviertel! Bekannt ist das nämlich für sein Nachtleben und da wurde uns echt nicht zu viel versprochen! Die Straßen bunt beleuchtet, voll mit Tischen und Stühlen vor den bekannten Fado-Clubs. "FADO" ist der typisch portugiesische Musikstil und mein Papa steht drauf, denn der hatte uns das vorab schon ans Herz gelegt. Geworben wurde damit an jeder Ecke und leider kam das alles auch schon wieder viel zu touristisch für uns rüber. Ich denke für echtes Lissabon-Feeling muss man sich auskennen und wissen wo man am besten hingeht...




An Tag 3 ebbte der Stress in meinem Kopf plötzlich ein bisschen ab und wir nahmen uns nicht ganz so viel vor. Gesehen hatten wir bis dato nämlich schon eine ganze Menge! Wir sind relativ früh am Morgen hoch nach Alfama gelaufen, als es noch nicht so heiß war. Gut, das war eine Lüge, denn hier gibt´s überall Aufzüge nach oben, die auch nichts kosten. Alfama hat einfach die schönsten Häuser, mit den typischen Fliesen, den Azulejos. Und hier haben wir auf dem Weg hoch zum Castello de São Jorge auch noch eine weitere Empfehlung für Pasteis de Nata gefunden - "Pastelaria Santo Antonio", die zwar nicht an die anderen heran kamen, aber auch lecker waren und in diesem Jahr sogar ausgezeichnet wurden. 


Wir sind dann auf das Gelände des Castelos gegangen, das kostet pro Person 10€, lohnt sich aber, denn hier gibt´s den mit Abstand schönsten Blick über Lissabon. Wir haben hier außerdem die Camera Obscura Vorführung besucht und die Stadt nochmal von oben kennengelernt. 

 


Und ja, dann hatte ich den bis dahin schönsten Abend! Und irgendwie hab ich mich langsam in Lissabon wohl gefühlt, mich reingefunden in die Stadt und verstanden was sie so ausmacht! Nämlich vor allem Abende am Fluss. Es gab Virgin Mojito während dem Sonnenuntergang, Straßenmusiker mit Reggae Klängen, Lichterketten, Mondlicht und Liegestühle mit Ausblick, hach. Das war schön! Und so langsam verstand ich die Stimmung hier...




Samstag war dann auch schon unser letzter voller Tag - und was heißt Samstag? Richtig, Flohmarkttag! Auch hier in Lissabon. Schon vorab hatte Sandro den "Feira da Ladra" gefunden, den größten Flohmarkt der Stadt, der dienstags und samstags am Campo de Santa Clara stattfindet. Wir waren ziemlich früh da, Beginn ist offiziell um 9 Uhr, da waren alle aber noch im Aufbau, was ziemlich spannend war! Das Gelände zieht sich über einen kleinen Hügel nach unten und je weiter wir nach unten gingen, desto spannender wurden die Stände. Während Sandro bei den Schallplatten hängen blieb, breitete sich vor mir ein Meer von Vintage Klamotten aus und ich konnte mich kaum konzentrieren, weil ich alles auf einmal sehen wollte. Gleich am Anfang blieb mein Blick auf einem alten Flanell Hemd hängen, richtig dick und mit schönem Aztekenmuster. Und in so gutem Zustand, dass wir es für runtergehandelte 15€ mithahmen. Ich zeig´s euch bald! 


Es gab einen Abstecher zu "Santini", einer Eismanufaktur, die nur natürliche Zutaten verwenden. Und was soll ich euch sagen?! Die Sorten waren traumhaft und ich habe außerhalb von Italien noch nie so leckeres Eis gegessen! Wir haben Erdbeere, weiße Traube, Ananas, Maracuja (das beste!!!) und Ananas-Minze probiert und waren total begeistert.



Dann fehlte am letzten Tag nur noch eins zu unserem Glück - das Meer! Das haben wir nämlich schon wieder vermisst, weil wir wussten, dass wir es nun lange nicht sehen werden. Mit dem Zug gelangt man über die "Linea de Cascais" entlang aller Strandabschnitte, die Lissabon bis Cascais so zu bieten hat. Sandro hatte Carcavelos ausgesucht, wo es unheimlich viele Surf-Spots geben soll. Ein schöner breiter Strand mit viiiel Platz. Das hat uns gut getan nach all dem Stadtgetümmel! Und ich habe ein riesen große Muschel im Sand gefunden, die sogar noch komplett ganz ist. Wir haben hier den Nachmittag verbracht, uns nochmal eine Portion Bräune mitgenommen und Sandro war kurz im kalten Atlantikwasser. Wir Mittelmeer verwöhnten Kinder haben uns den Po abgefroren...



Ich werde das Meer wirklich ziemlich vermissen und bin froh, dass wir nochmal da waren - das war mi Abstand der beste Tag in Lissabon und ich würde euch empfehlen so einen Abstecher unbedingt einzuplanen



Abends wollten wir dann noch gut essen gehen, weil uns so ein richtiges Knaller-Restaurant noch gefehlt hat auf der Reise. Wir hatten über Google ein kleines einheimisches Lokal in Alfama gefunden und sind dann dorthin aufgebrochen, leider hatte es geschlossen. Und so sind wir eigentlich zufällig in "Grelhador de Alfama" gestolpert, weil man dort im Fenster sehen konnte wie das Fleisch gegrillt wird. Fanden wir spannend und konnten der älteren Dame, die uns einludt dann nicht widerstehen. Und es war der beste Abend, das leckerste Essen in diesem winzigen Restaurant und es kam zu den wildesten Gesprächen, weil Sandro versuchte sich teils auf englisch und italienisch zu verständigen, und die Köchin dann nur portugiesisch verstand. Er wollte einfach nur wissen wie sein Oktopus zubereitet war, der wirklich köstlich schmeckte und irgendwie war das so eine süße Situation, dass alle Beteiligten ihren Spaß hatten...




Mein Fazit zu Lissabon: Es ist kein Vergleich zu London für mich, denn auch wenn die Anfangsbuchstaben die gleichen sind, war die Atmosphäre für mich anders und damit kann ich Lissabon als neue Lieblingsstadt ausschließen. Es ist definitiv eine Stadt, die man mal gesehen haben muss und die viele Eigenheiten hat, viel Neues und Kreatives! Aber, und das würde ich beim nächsten Besuch anders machen, sie ist sehr voll und touristisch geworden. In der Hauptsaison wenn es so heiß ist würde ich nicht mehr unbedingt hinreisen, es sei denn, man verbringt die Tage eher im Umland, in den Küstenorten. Das geht klar! Die Stadt an sich würde ich eher im Winter oder Frühjahr besuchen, wenn die Temperaturen angenehmer sind, denn so richtig kalt wird Lissabon nie! Sonst, tolle Tage, am Ende doch noch gutes Essen, Törtchen aus dem Himmel, schönste Häuser und eine Meeenge Vintage und Second Hand Shops - Blogpost dazu folgt!


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Kommentare

Anna Lena P. hat gesagt…

Liebe Alena,
Das ist wieder mal ein toller Reisebericht und ich finde schön, dass du ehrlich bleibst und auch Dinge ansprichst, die dich gestört haben. Und das macht das ganze mega authentisch! Ich finde deine Gestaltung super schön, die Fliesen hast du selbst gemalt oder?

Mach weiter so, ich freu mich von dir zu lesen ;)

Liebe Grüße,
Anna Lena

Anonym hat gesagt…

mir hat Lissabon sehr gut gefallen, ich war im Juni dort! Schade, dass du es so stressig empfunden hast. Vielleicht brauchst du nochmal einen zweiten Anlauf?

LG

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